Das Veilchen - fast schon aus der Mode gekommene Duftpflanze
Wie berichtet, kann man derzeit in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff im Rahmen einer >Sonderausstellung die verschiedensten Pflanzen- und Kräuterdüfte riechen und vergleichen, von auffällig stark duftenden bis zu unscheinbaren kleinen Pflänzchen. So eines ist zum Beispiel das Veilchen. Mittlerweile stehen diese zarten Pflanzen mit ihrem lieblichen Aroma wieder hoch im Kurs – und sie duften nicht nur – auch in der Naturheilkunde und in der Gastronomie haben sie ihren festen Platz. Bereits im 17. Jh. wurden kandierte Veilchen zum Verzieren von Backwaren verwendet. Sie eignen sich auch für Kräutersalat und ihre Blätter enthalten sehr viel Vitamin C.
Duftveilchen (Viola odorata) werden seit der Antike im Garten kultiviert und sind in der Naturheilkunde fest verankert. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts gingen leider viele Sorten verloren. Früher gab es mehrere hundert und viele Gärtnereien bemühten sich um die Kultur der duftenden Veilchen. Im Garten finden sich heute z.B.: „Madame Amandine Page“ mit zartrosa Blüten und wundervoll duftend, die “Königin Charlotte“- mittelblau, „Red Charm“- violettrot, „Irish Elegance“ -aprikosenfarbig, ‘Triumph“ – tiefblau und riesenblütig oder die „Mrs Lloyd George“, eine der wenigen überlebenden halbgefüllten Sorten, außerdem das Hundsveilchen, das Labrador-, das Wald- und das Hainveilchen.
Veilchen wachsen normalerweise am Waldrand im lichten Schatten, und dies bevorzugen sie auch in Gärten, man soll sie möglichst in nahrhaften Lehmboden setzen. Sie brauchen hohe Luftfeuchtigkeit, deshalb bei trockenem Wetter viel gießen. Veilchen können Unkraut unter Hecken und Sträuchern unterdrücken.
Mehr Infos zum Veilchen: (Heilmittel, Parfüm…)
Veilchen als Heilmittel:
Veilchenblütentee hilft bei Hautunreinheiten, Halsentzündungen, Bronchitis und anderen Erkrankungen der Atemwege. Man lässt den Aufguss mit getrockneten Veilchenblüten und heißem Wasser etwa drei bis fünf Minuten ziehen. Es soll auch gegen Rheuma und depressive Verstimmungen helfen. Kränze aus Veilchenblüten galten bei den alten Griechen als Mittel gegen Kopfschmerzen (bes. nach Trinkgelagen), bekämpften Einschlafschwierigkeiten und ließen Wut und Ärger abklingen. Veilchenessig soll gegen Kopfschmerzen wirken.
Herstellung von Veilchenessig:
2 bis 3 Handvoll Veilchenblüten, 1 Flasche Weißweinessig
Zubereitung: Den Essig mit den Veilchenblüten in einer Glasflasche ansetzen und verkorken. Dann eine Woche in die Sonne oder an den warmen Ofen stellen. Abseihen.
Dosierung: 1 TL auf ein kleines Glas Zuckerwasser.
Veilchenduft:
Es duftet eigentlich nur eine Veilchenart, das Duftveilchen. Verantwortlich für den Duft ist der Aromastoff Alpha-Ionon. Es ist ein sehr feiner Duft, den man erst ab einer Konzentration von 10.000.000 Molekülen/ml Luft wahrnehmen kann. Zum Vergleich: Rosenöl riecht man schon bei einer Konzentration 200.000 Molekülen/ml Luft. In alten Zeiten streute man Veilchenblüten zusammen mit Binsen auf den Boden, um die Raumluft mit einem frischen Duft zu erfüllen. Veilchenparfüm kam zuerst im 14./15. Jahrhundert mit den arabischen Gewürzhändlern nach Europa. Am beliebtesten war Veilchenparfüm im 19. Jahrhundert, an dessen Ende auch schon künstliche, nach Veilchen duftende Stoffe verwendet wurden. Heute bieten wieder bekannte Marken Produkte mit Veilchenduft an. In der Gegend von Nizza werden jährlich etwa 100 t Veilchenblüten geerntet.
Veilchenduft soll beruhigend, nervenstärkend und harmonisierend wirken. Er soll Aggressionen dämpfen und helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Am besten kann man ihn “in Natura” schnuppern, bei einem Spaziergang oder im eigenen Garten!
Geschichtliches:
Als einer der ersten Boten des Frühlings erfreute sich das wohlriechende Veilchen von jeher besonderer Wertschätzung. Am Wiener Hof wurde schon um 1200 das erste Veilchen mit einem rauschenden Fest gefeiert. Im griechischen und römischen Altertum war es eine mehreren Gottheiten geweihte Kulturpflanze. Dem Gott Pan wurden z.B. Veilchentänze dargebracht und bei den Griechen galt das Veilchen wegen seines Duftes als Blume der Liebe. Die griechische und römische Mythologie behauptet auch, dass es dem keineswegs gutaussehenden Gott Vulkan, der hoffnungslos in Venus verliebt war, dennoch gelang, von der Göttin geküsst zu werden, weil er nach Veilchen duftete.
Das Veilchen ist auch die Lieblingsblume vieler Dichter und Schriftsteller. (Goethe, Storm, Mörike, Homer, Troubadoure).
Hier ein Gedicht von Theodor Storm:
Die Kinder haben die Veilchen gepflückt,
All, all, die da blühen am Mühlengraben.
Der Lenz ist da; sie wollen ihn fest
In ihren kleinen Fäusten haben.
Und wer kennt nicht Eduard Mörikes Frühlingsgedicht „Er ist’s“
Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s,
dich hab ich vernommen!
Und damit soll mit den Veilchen der Frühling Einzug halten!


















